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Wofür brauche ich eigentlich EnOcean?

Mittlerweile bietet homee drei verschiedene Würfel, die Euer Zuhause schlauer, komfortabler oder schöner machen können. Wenn Ihr es richtig anstellt, auch alles zusammen. Der Brain Cube alleine beherrscht auch bereits die ein oder andere Technik und lernt immer weiter dazu. Wir arbeiten ständig daran so viele neue clevere Geräte wie möglich zu integrieren, dadurch steigt die Anzahl der unterstützten Geräte und Techniken mit nahezu jedem Update. Für Häuslebauer und Smart Home Einsteiger kann das Ganze schnell unübersichtlich werden. Um falsche Entscheidungen, die im Nachhinein bereut werden, zu verhindern und ein wenig Licht ins smarte Dunkel zu bringen, stelle ich Euch in einer kleinen Serie die einzelnen Würfel und damit die Funkstandards, ihre Vor- und Nachteile und deren optimales Einsatzgebiet etwas genauer vor. Dabei gehe ich nicht zu sehr auf den technischen Hintergrund oder Details ein, sondern versuche nur die wichtigsten Dinge zu erwähnen. Also keine Angst: Diese Serie ist etwas für jeden! Den Anfang macht auch gleich unser türkiser Würfel, der EnOcean Cube.

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EnOcean

EnOcean ist der Name für eine Funktechnologie, die von der gleichnamigen Firma EnOcean GmbH im Jahr 2001 patentiert und seit 2008 durch die EnOcean Allianz weiterentwickelt wurde. Die eigentliche Idee der EnOcean-Technologie beruht darauf, dass für das Senden von kleinen Telegrammen nur sehr wenig Energie benötigt wird, so wenig Energie, dass diese mittels in der Umwelt vorhandenen Gegebenheiten erzeugt werden kann. So reicht der eigentliche Tastendruck auf einen Schalter aus, um mittels des piezoelektrischen Effekts genug Energie zu erzeugen, um ein kurzes Funktelegramm zu versenden. Ähnlich verhält es sich beim Versenden eines Temperaturmesswertes o. Ä.. Hier wird meist die Umgebungshelligkeit benutzt, um mittels kleiner Solarzellen genug Energie für das Telegramm zu erzeugen. Und gerade das ist der Clou an EnOcean, fast alle Geräte sind nahezu wartungsfrei! Das bedeutet kein lästiges Auswechseln von irgendwelchen Batterien, die eh grundsätzlich immer dann leer sind, wenn es am unpassendsten ist.
Doch wie so oft im Leben: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Genau so verhält es sich mit den einfachen, kurzen Funktelegrammen und dem simplen Aufbau der meisten EnOcean Geräte. Da nur eine sehr begrenzte Menge Strom zur Verfügung steht, ist es auch nicht möglich viele komplexe Dinge im Inneren der Geräte zu berechnen. Dies betrifft hier im Speziellen alles, was Kanalzugriffsverfahren, Telegrammbestätigung und Verschlüsselung betrifft.

Was bedeutet das für mich?

Das bedeutet natürlich nicht, dass alle EnOcean Geräte diese Nachteile besitzen. Es gibt Lösungen, welche konstant an einer Stromversorgung angeschlossen sind oder eine Batterie besitzen (diese macht natürlich auch den großen Vorteil von EnOcean wieder zunichte). Solche Geräte beherrschen auch unterschiedlichste Formen der bidirektionalen Kommunikation. Es lassen sich auch einige Geräte finden, welche Telegrammbestätigung beherrschen. Und zu guter Letzt gibt es natürlich auch Verschlüsselung für EnOcean. Doch hier liegt der Teufel im Detail:
Es gibt für fast alles verschiedene Lösungswege, verschiedene Formen der Kommunikation, verschiedene Ansätze zur Verschlüsselung und allgemein einen relativ großen Handlungsspielraum für Hersteller. Es gibt nicht den einen Weg der Kommunikation, an den sich Gerätehersteller halten müssen, wenn sie neue Hardware entwickeln. Ihr könnt Euch sicher vorstellen was das für Funkzentralen wie homee bedeutet.

Das Ganze klingt jetzt natürlich wenig Smart und überhaupt nicht geeignet für Euer kluges Zuhause. Doch das wäre voreilig geurteilt! Die EnOcean Technologie bietet, wie jede Technologie, Vor- und Nachteile. Mit dem Wissen um diese, lassen sich jedoch Anwendungen und Aufgaben finden, welche die Vorteile ausnutzen und die Nachteile vermeiden!

Wozu eignet sich also EnOcean gut?

Kurzum: EnOcean bietet sich eigentlich für alles, an was Sensorik betrifft. Hier ist es oft nicht übermäßig wichtig ob Telegramme wirklich zuverlässig ankommen (Tür- und Fenstersensoren bilden hier sicherlich eine Ausnahme). Sollte mal ein Temperatur- oder Feuchtewert verloren gehen ist das nicht weiter tragisch, da es sich in der Regel eh bei fast allen Größen, die im Bereich der Heimautomation von Interesse sind, um relativ träge Größen handelt.

Wo sollte ich vielleicht auf eine andere Technologie setzen?

Obwohl es wie bereits erwähnt auch entsprechende technische Lösungen zur bidirektionalen Kommunikation mittels EnOcean gibt, würde ich bei allem, was ich anschalten, dimmen, bewegen oder in einer anderen Form beeinflussen möchte, eher auf eine der beiden anderen Technologien zurückgreifen, die in den nächsten Teilen dieser kleinen Serie etwas genauer beleuchtet werden. Das hat einfach den Grund, dass man oft direkt Feedback bekommt, ob der Befehl erfolgreich ausgeführt wurde oder nicht. Dies ist vor allem enorm hilfreich, wenn man sein Zuhause kontrollieren möchte, auch wenn man nicht direkt vor Ort ist, um zu sehen, ob das Licht wirklich angegangen oder der Rollladen wirklich runtergefahren wurde. Zudem gibt es sehr viele EnOcean Aktoren die zwar Dinge schalten können, aber für vollkommen anderen Anwendungsszenarien entwickelt wurden, als einer zentralen Stelle die Befehle vom Benutzer entgegen nimmt und an Geräte weiterleitet. Solche Geräte sind für Lösungen wie homee demzufolge natürlich enorm aufwendig umzusetzen und damit auch fehleranfällig. Beispielsweise müssten einige Dinge extra simuliert werden, um einen oft in Fertighäusern eingesetzten Schaltaktor über eine App wie unsere steuerbar zu machen. Zudem existieren selbst bei dieser Art der Simulation technische Grenzen, die es einfach extrem unpraktikabel machen diesen Aufwand zu betreiben.

Wie sieht es mit der Reichweite aus?

Wie Eingangs erwähnt, setzt EnOcean auf möglichst simple Telegramme, das bedeutet natürlich auch dass es keine ausgeklügelten Mechanismen zum Weiterleiten von Telegrammen gibt, da dies Rechenaufwand und damit Stromverbrauch bedeuten würde. Allerdings gibt es die Möglichkeit durch bestimmte Geräte einfach alle von diesem Gerät empfangen Nachrichten einfach zu wiederholen. Diese Art der Vergrößerung der Netzwerkreichweite nennt sich Repeating. Durch den cleveren Einsatz von Repeatern an den richtigen Stellen im Haus lässt sich ein EnOcean Netzwerk auch über ein größeres Mehrfamilienhaus spannen. Jedoch gilt hier der Grundsatz: Weniger ist mehr! Es ist eher kontraproduktiv einfach so viele Repeater wie möglich zu verwenden, da diese sich sonst gegenseitig stören können. Gezielt eingesetzt ist dies jedoch eine gute Lösung um die Funkabdeckung zu verbessern.

Mit diesen einfachen Hinweisen wird es für Euch hoffentlich ein wenig leichter einen geeigneten Einsatzzweck für unseren türkisen Freund und seine Geräte zu finden.

Das nächste Mal werde ich mich ein wenig genauer mit unserem Z-Wave Würfel befassen und hoffe Euch auch da den ein oder anderen nützlichen Tipp geben zu können.

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